Trotz Diabetes sorglos auf Reisen
Tipps und Informationen, die Ihnen und Ihren mitreisenden Angehörigen helfen sollen, sicher zu verreisen
30.07.2007Worauf sollten Sie als Diabetiker auf Reisen grundsätzlich achten?
- Insulin ist temperaturempfindliches Eiweiß, das kühl gelagert werden sollte (+2oC bis +8oC). Es darf jedoch auf keinen Fall eingefroren werden.
- Bei Reisen in warem Gebiete Kühltasche mitführen, Insulin nicht direkt auf die gefrorenen Akkus legen.
- Bei Flugreisen: Insulin und Zubehör immer ins Handgepäck.
- Insulinvorrat auf mehrere Personen aufteilen (Verlust von Gepäckstücken)
- Kurzfristig ist Insulin bis 30oC haltbar (bis zu ca. 4 Wochen), Ampulle spätestens nach dem Urlaub ersetzen!
- Allgemein wichtig: Fußpflegeset, Druckschutzpflaster mitführen. Verletzungen an den Füßen vermeiden.
Welche Dokumente sollte man sich vor Reiseantritt besorgen?
- Mehrsprachigen Diabetiker-Reiseausweis mit den wichtigsten Begriffen in verschiedenen Sprachen besorgen (z.B. Fa. Roche, Bayer).
- Zertifikat (Attest des Arztes) für Spritzen- und/oder Pumpengebrauch (v.a. in Südostasien, Indien, USA).
- "Letter of introduction" für ausländischde Ärzte.
- Ansprechpartner im Reiseland notieren: Ärzte, Kliniken, Notfallnummern, Deutsche Botschaft/Konsulat.
Was ist bei längeren Autofahrten zu beachten?
- Alle zwei Stunden Pause machen, Blutzucker messen, Zwischenmahlzeit einnehmen.
- Blutzucker etwas höher einstellen, um Unterzucker zu vermeiden.
- Immer Traubenzucker griffbereit halten.
- Verzögerungen einplanen (Stau, Grenzaufenthalte)
- Bei Nacht- und Tunnelfahrten evtl. gestörte Hell-Dunkel-Anpassung berücksichtigen.
- Kein Alkohol, auch nicht am Vorabend der Reise.
Was ist bei Flugreisen zu beachten?
- Bei Fernreisen Insulindosis an die Zeitverschiebung anpassen.
- Blutzucker alle 2-3 Stunden messen, etwas höher einstellen, um Unterzucker zu vermeiden.
- Bordmahlzeit: Keine Diabetikerdiätmahlzeit (Portionen zu klein, zu wenig Kohlenhydrate), sondern das vegetarische Menü bestellen (ausreichende Menge an komplexen Kohlenhydraten).
- Berücksichtigen, dass Bordmahlzeit später serviert werden könnte oder man keinen Appetit hat.
- Keinen Alkohol zu sich nehmen (Gefahr von Unterzucker und Thrombosen).
- Flüssigkeitsbedarf erhöht - viel trinken!
Was tun, wenn ein Diabetiker in eine Hypo- oder Hyperglykämie gerät?
- Blutzucker messen! (Unterweisung der Angehörigen noch zu Hause!).
- Symptome des Unterzuckers: Schweißausbruch, Herzklopfen, Blässe, Zittern, abnormales Benehmen, Krämpfe: sofort für Zuckerzufuhr sorgen (Traubenzucker, Cola, Fruchtsaft, Jubin).
- Symptome des Überzuckers: Durstgefühl, Schwäche, Angst, Verwirrung, Ketonatem (Atem riecht wie Aceton (Nagellackentferner): Insulingabe nach BZ-Messung.
- Blutzuckerzielwerte vor dem Urlaub mit dem Arzt besprechen (schriftlich!).
- Notfallverhalten schriftlich festlegen und mit den Angehörigen besprechen.
Was tun bei Fieber, Erbrechen, Durchfall?
- Reiseapotheke zusammenstellen mit fiebersenkendem Schmerzmittel, Medikamenten gegen Übelkeit, Erbrechen und Durchfall (Verhalten mit Arzt planen!).
- Hygienerichtlinien beim Verzehr von Speisen beachten!
Einige zusätzliche Tipps:
- Rechtzeitig und ausreichend Medikamente und Diabetikerzubehör besorgen (im Ausland: Gefahr von Fälschungen, Beipackzettel unverständlich).
- Ersatzbatterien für Blutzuckermessgerät nicht vergessen.
- Drei Sätze in der Landessprache aufschreiben und lernen: Ich habe Diabetes. Ich brauche Zucker. Ich brauche einen Arzt.
- Insulinspritzen (Einheiten U 100) einpacken, falls Pen kaputt (schriftliche Gebrauchsanweisung).

